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Anita Waldmann

Sind Bluttransfusionen immer gleich notwendig?

Als Selbsthilfegruppen-Leiterin und Patienten-Vertreterin erlebe ich immer wieder, dass Patienten ihre Laborwerte sehr genau beobachten und teilweise auch falsch interpretieren.

Natürlich sind die Blutwerte ein wichtiger Faktor im Krankheitsbild von Leukämie- und Lymphom-Patienten, trotzdem sollten sich Patienten nicht verunsichern lassen und die Bedeutung der Blutwerte mit dem Arzt abklären.

Speziell bei anämischen Patienten (Aplastische Anämie oder Myelodysplastisches Syndrom [MDS]) spielt der HB-Wert (Hämoglobin = Blutfarbstoff der Erythrozyten, das den Sauerstoff bindet, Erythrozyten = Rote Blutkörperchen) eine große Rolle. Diese Patienten sind oft auf eine Bluttransfusion mit Erythrozyten-Konzentrat (EK) angewiesen. Sie fragen mich dann oft, ab welchem HB-Wert eine EK notwendig wird.

Normalwerte:

Hämoglobin (Hb)
Frauen: 12 – 16 g/dl (etwa 7,5 – 9,9 mmol/l).
Männer: 13,5 – 17,5 g/dl (etwa 8,4 – 10,9 mmol/l)

Erythrozyten
Frauen: 4,1 – 5,1 Millionen/μl
Männer: 4,5 – 5,9 Millionen/μl

Das Hämoglobin bzw. die Erythrozyten sind für den Sauerstofftransport im Körper zuständig und können daher die Befindlichkeit eines Patienten beeinflussen.

Meine Antwort: Es kommt
a) auf die Beschwerden bzw. Symptome an (z.B. Kurzatmigkeit, Schwäche, Müdigkeit (Fatigue)) und die hieraus resultierende Belastung der Lebensqualität
b) auf die Empfehlung des behandelnden Arztes

Es gibt zum Beispiel Patienten, die sich mit einem Hb-Wert unter 8g/dl durchaus noch wohl fühlen, und es gibt andere, die bereits mit einem Hb-Wert um die 10 g/dl extrem in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind.

Beispiele:

  • Ein Mann spielte mit einem Hb von 6g/dl immer noch Tennis und war über seine Laborwerte sehr überrascht.
  • Ein anderer Mann bemerkte bei der Gartenarbeit, dass er immer kraftloser wurde.
  • Er war kaum in der Lage Laub zusammenzurechen. Bei der Laborkontrolle wurde ein Hb von 11 g/dl festgestellt.
  • Eine Frau konnte kaum mehr durchatmen, jede körperliche Betätigung war extrem belastend, der Hb allerdings noch bei 10 g/dl.
  • Eine andere Frau, sie war Fitness-Trainerin, wunderte sich, dass sie beim Training immer schneller erschöpft war und ihre Aktivitäten deshalb reduzierte.

Nach mehreren Wochen mit vermeintlicher „Frühjahrsmüdigkeit“ oder Vitamin B Mangel suchte sie einen Arzt auf. Er tippte auf Eisenmangel und ordnete eine Blutuntersuchung an, die überraschenden Werte: Hb 7 g/dl.

Da die Anzahl der beanspruchten Bluttransfusionen den Krankheitsverlauf bei MDS negativ beeinflussen, sollten MDS-Patienten mit möglichst wenigen Bluttransfusionen auskommen. Ziel der MDS-Therapie sollte es also sein Bluttransfusionen einzusparen und erst dann in Anspruch zu nehmen, wenn sich die Blutarmut mit körperlichen Symptomen bemerkbar macht und somit die Lebensqualität einschränkt.

Leider gewöhnt sich der Körper sehr schnell an die Transfusionen und es kommt häufig zu kürzeren Abständen zwischen den Terminen. Bluttransfusionen enthalten Eisen, das sich in den Organen ablagern kann.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass 56% aller MDS-Patienten nach einer 26-wöchigen Lenalidomid-Therapie (10mg) transfusionsunabhängig wurden und sich die Lebensqualität verbesserte.

 

5 Kommentare zu “ Sind Bluttransfusionen immer gleich notwendig? ”

  1. Gabriele Neumann

    Hallo, mein Vater 87 hat seit 30 Jahren eine Eisenanämie.Alle Untersuchungen führten in den 30 Jahren zu keinem Ergbnis warum der Körper kein Blut bildet. Magenspiegelungen, Darmspieleglungen und hunderte Blutuntersuchungen und ca. 30 Krankenhausaufenthalte brachten keine richtige Diagnose.
    Er hat zur Zeit einen HB Wert von 6,6 und Eisenwert von 12 und hat von 68 kg auf 60 kg abegnommen.
    Gestern wurden ihm 2 Bluttransfusionen gegeben. Symptome sind Müdigkeit ( schläft 18 std jeden Tag, Appetitlosigkeit, ( Ißt und trinkt wenig ) ist verwirrt, vergesslich , hat Schwindel , kurzatmig,
    nervös , gereizt und und orientierungslos.
    Er nahm vorher schon 2x 100 mg ferro sanol ein. ( seit 30 Jahren schon ).
    Ich bitte um Antwort was man noch tun kann.
    Vielen Dank. MFG Gabriele

  2. Hallo zusammen ich habe einen HB von 7,7 jetzt soll ich eine Bluttransfusion bekommen, ich habe eine Eisenmangelanämie, ich bin auch selber Schuld weil ich die Tabeltten nicht wirklich regelmäsig genommen habe, alle sagen eine Transfusion nur im Notfall und doch lieber Eiseninfusion ich weiß nicht mehr was ich tun soll

  3. Michaela Buch

    Hallo

    Meine Erythrozyten sind bei 3,5,im November waren sie bei 3,4. Davor war ich schon 20 Jahre blutarm mit meist niedrigem HB und Erythrozyten um 3,9( normal ab 4,1). Ich bin auch seit November müde und kurzatmig bei Belastung.Die Ärztin scheint meine Symptome aber nicht ernst zu nehmen und meint,die Anämie wäre nur leicht.Bilde ich mir die Symptome nur ein?

  4. Ich hab selbst seit ich 15 Jahre alt bin eine leichte Anämie. Bis im Alter von 18-19 waren die Werte so zwischen 10-11g/dl. In den letzten Monaten sind sie von da auf 9 dann 8.5 dann 7.1 und am Sonntag wollte ich bloss meine Schmerztabletten holen, da die Anämie für mich schon dazu gehört, weil ich aufgrund des BPS mich häufiger selbst verletze. Nun bin ich ein sehr interessiert Mensch und hab mit Bestätigung meiner Mutter, welche Krankenschwester ist die Bestätigung von einer Zyste direkt unter der Bauchdecke. Egal welchen Arzt ich darauf angesprochen habe, keiner hat es ernst genommen, wahrscheinlich wegen meiner psychischen Vorgeschichte. Also hab ich selbstständig gehandelt alles steril abgedeckt und diese sehr oben liegende Zyste eröffnet. Der Eiter ist geflossen. Also hab ich da gesorgt das sie langsam von innen nach aussen zuwachsen soll. Durch diese Aktion hab ich eine Menge Blut verloren, da ich umso Sachen sehr gut abschätzen kann, hab ich etwa 1/2-3/4l Blut getippt. Leider wurde das entdeckt und gegen meinen Willen zugenäht. Dementsprechend hab ich es wieder aufgemacht. Wieder viel Blut verloren, ich merkte kurz meinen Kreislauf spinnen, hat sich aber nach kurzer Zeit erholt. Nun nehme ich seit mehreren Wochen Ibuprofen, genau das ging mir letztes Wochenende aus. Ging zu einem Arzt, der hat die Wunde gesehen und mir voll Druck gemacht weil man sie Muskelfäden sehen konnte. In ein Krankenhaus verwiesen mit starken Unterdruck, also wusste ich, wenn hoch nicht gehe kommt mich Polizei einsammeln. Bin dahin, hab eine etwas seltsame Vorgeschichte, da wurde einfach ein Röntgen gemacht und anderes aufgedeckt, was nicht sollte. So bin ich mit der offenen Wunde in eine Klinik mit Gynäkologie geschickt. Ich hab gesagt ich möchte dies nicht, da ich so zu dem Thema schlechte Erfahrungen habe. Also würde ich gegen meinen Willen operiert. Als ich aufwachte sah ich eine Bluttransfusion an meinem Zugang, die gerädelter wurde. Ich fragte was der Blödsinn soll. Reicht es nicht wenn sie mir unfreiwillig meine Klingen entfernt hätten. Die Antwort war: „Sie hatten einen HB-Wert von 5.7 deswegen war eine Bluttransfusion unumgänglich. Seit der Sache fühle ich mich wirklich schrecklich, haben sie das obwohl man mit mir noch reden konnte das Recht, mir ohne Einverständnis eine Bluttransfusion anzuhängen?

    Mir ging es ja eigentlich gut und das alles als Folge weil ich mein Schmerzmittel gebraucht hab.

    Es stellt mir sich nun die Frage, ab wann haben Ärzte die Befugnis mir so was anzuhängen?

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