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Anita Waldmann

Ernährung bei Krebs und insbesondere bei hämatologischen Erkrankungen

Uns erreichen immer wieder Anfragen nach Ernährungstipps. Hier die „richtigen“ Tipps zu geben ist fast unmöglich, denn jeder Patient mit einer Krebserkrankung hat unterschiedliche Bedürfnisse und Empfindungen.

Es gibt viele unterschiedliche Ratgeber zum Thema Krebs und Ernährung. Meistens wird eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung empfohlen, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen soll. Das ist richtig und kann unter Umständen sogar zu einem günstigeren Krankheitsverlauf führen.  Aber es gibt Situationen, bei der diese Empfehlungen eher kontraproduktiv sind. Wie zum Beispiel bei einem geschwächten Immunsystem.

Geschwächtes Abwehrsystem (Immunsuppression)
Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass es kaum Empfehlungen für Patienten mit einem geschwächten Immun- bzw. Abwehrsystem gibt (d. h. niedrigen Leukozyten <1,2< 1000 µl, Lymphozyten < 1000 µl) gibt.
Dies ist häufig während bzw. nach einer Chemotherapie oder einer Stammzelltransplantation der Fall. Hierbei ist besonders zu beachten, dass einige Lebensmittel für eine gewisse Zeit eher ungeeignet sind.

Motto: Cook it, fry it, peel it or leave it. (Koch es, brat es, schäl es oder lass es)
Dies gilt übrigens auch für einige Urlaubsländer.

Zu vermeiden sind unter anderem Eiswürfel, besonders aber

  • Rohe Eier, ungekochte Gerichte,
  • Obst welches nicht geschält werden kann (alle Arten Beeren, Trockenobst, Kirschen, Pflaumen, etc).
  • Ungegartes Fleisch, Hackepeter, Mett, Tatar. Aber auch Hähnchen vom Imbissstand.
  • Roher Fisch (Matjes, Sushi, gebeizter Lachs, Austern, Kaviar)
  • Offene Fertigsalate (auch Blatt- und Kartoffelsalat mit Mayonnaise)
  • Rohmilch, Sahne, Gerichte mit Mayonnaise, Softeis, etc.
  • Käse (Quark, Brie, Camembert, Gorgonzola, etc)
  • Nüsse, auch in Schokoladen, Müsli (Getreideflocken allgemein), offene Gewürze.

Der Grund: Auf den Oberflächen setzen sich oft Pilzsporen ab, die dem gesunden Menschen nichts anhaben, aber bei einem immungeschwächten Menschen zu einer gefährlichen Pilzinfektion führen können.

Wir wollen absolut keine Panik verbreiten aber wir haben gelernt, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wichtig vor allem ist, auch dies mit ihrem behandelnden Arzt zu besprechen, er weiß wann welche Vorsichtsmaßnahmen angebracht sind.

Es kann aber durchaus auch hilfreich sein, in dieser Zeit

  • den Kontakt mit Tieren, Pflanzen, Pflanzenerde und Kompost zu vermeiden,
  • ebenso Ansammlungen von Menschen (Kino, Freibäder, Badeseen)
  • Schützen sie sich vor direkter Sonnenbestrahlung mit Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Die Haut reagiert nach einer Chemotherapie viel empfindlicher.
  • Vermeiden Sie das Anstellen der Klimaanlage im Auto, schützen Sie Ihren Hals vor Zugluft mit einem Schal.

Eine entsprechende informative Broschüre, die aus Erfahrung mit unseren Patienten erstellt wurde, kann in unserer Geschäftsstelle (buero@LHRM.de) angefordert werden.

Gewichtsabnahme
Nicht wenige Patienten haben Schwierigkeiten während oder nach einer Chemo-Therapie „normal“ zu essen. Häufig sind Wahrnehmung von Geruchs- und Geschmacksveränderungen der Grund für Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis).
Auch kann der Darm psychosomatische Störungen aufweisen. Jeder Patient muss für sich individuell herausfinden was ihm gut tut. Wir können nur aus Erfahrung unserer Patienten auf gewisse, evtl. hilfreiche Tipps verweisen.
Vermeiden Sie alles, was Ihnen auch im gesunden Zustand nicht geschmeckt hat.

  • Einige Patienten haben eine Zeitlang Vanillepudding oder Reisbrei bevorzugt.
  • Häufige kleinere Portionen von kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten ein (Nudeln, Kartoffeln, etc.) sind besser verträglich. Essen Sie langsam. Ihr Essen sollte weder zu heiß noch zu kalt sein.
  • Zarte Gemüse (Möhren, Zucchini, Kohlrabi), reifes, rohes Obst (Birnen, geschälte Äpfel, Bananen, Melonen etc.), leicht verdauliche, gekochte Vollkornnahrung.
  • Wenn das Immunsystem es erlaubt: fettarme Kartoffelgerichte und Milchprodukte wie Quark und milde Käsesorten sind bekömmlicher und belasten Magen und Darm weniger.
  • Trinken Sie Kräutertees und kohlensäurearmes oder stilles Mineralwasser. Gegen eine gelegentliche Tasse schwarzen Tee oder reizstoffarmen Spezialkaffee ist nichts einzuwenden. Testen Sie aus, was Ihnen bekommt.
  • Selbst Cola hilft einigen Patienten, ihr Essen besser zu genießen.

Wenn die Gewichtsabnahme anhält, denken Sie an eine zeitlich begrenzte parenterale Ernährung.

Der Begriff „Parenteral“ kommt aus dem Lateinischen und heißt unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes; durch subkutane, intramuskuläre oder intravenöse Injektion bzw. Infusion.

Hierbei werden dem Körper alle Energiespendenden, lebensnotwendigen Nährstoffe zugeführt. Ein zu geschwächter Körper kann kaum mit der täglichen Belastung zurecht kommen. Auf jeden Fall sollte der/die behandelnde Arzt/Ärztin zu Rate gezogen werden.

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