Alternative Text

Lara Kurz

Der Port, mein Freund und Helfer

Wer die Diagnose Krebs bekommt, muss sich bereits nach kurzer Zeit mit vielen Themen befassen, welche nicht nur die Krankheit direkt betreffen. Die ständige Blutabnahme und das verabreichen von Infusionen kann da zu einer regelrechten Qual werden. Viele Chemotherapeutika verschlechtern die Venenqualität und erschweren das notwendige Legen von intravenösen Zugängen.

Leider kenne ich diesen Zustand nur zu gut. Und auch die Suche nach der Vene kann nach mehreren Fehlversuchen zu einem richtigen Horror für den Patienten werden. Mein persönlicher Rekord lag bei 45 min Suche und 12 verstochenen Stellen am Körper, bis man schließlich eine Vene am Fuß fand. Und jeder, der schon mal einen Zugang am Fuß hatte, weiß wie gruselig das ist!

Die Rettung vor solch fast schon traumatisierenden Momentan kann der Port sein. Zum Glück ist dieser meist schon Standard vor einer Chemotherapie. Ein Portkatheter ist eine „feste Zugangstür“ ins Venensystem. Dabei wird in einem minimal-invasiven chirurgischen Eingriff eine kleine Metallkammer mit einer Silikonmembran auf der Oberseite und einem kleinen Schlauch an der Seite unter die Haut (subkutan) gelegt. Der Schlauch/Katheter wird in eine Vene geschoben und endet meist kurz vor dem rechten Vorhof des Herzens. Ähnlich wie ein zentraler Venenkatheter am Hals. Der Unterschied ist, der Port liegt unter der Haut und kann dort für längere Zeit verbleiben, während ein ZVK am Hals meist nach wenigen Wochen ausgetauscht werden muss. Da der Port nicht tief unter der Haut ist, kann er leicht ertastet und mit einer speziellen Nadel angestochen werden. Es ist fast unmöglich, den Port zu verfehlen. Im Gegensatz zu einer Vene, welche im schlimmsten Fall mal eben „wegrollt“.

Dieser dauerhafte Zugang kann den Patienten-Alltag stark vereinfachen. Zwar ist das anstechen des Portes auch nicht gänzlich schmerzfrei, meiner Erfahrung nach aber deutlich besser als die leidige Venensuche. Das spiegelt sich auch in den Erfahrungen anderer Patienten wieder, welche mir von ihrem Port berichtet haben.

Die Stelle eines Portes kann variieren. Wenn ich das anderen Patienten erzähle, schauen diese mich oft ganz verdutzt an. Am bekanntesten ist meistens die Stelle über dem Schlüsselbein. Mein Port lag an der Unterseite des Oberarms. Außer bei Mitpatientinnen aus Hamburg habe ich das bisher noch nicht gehört. Die Uniklinik in Hamburg macht das bewusst so, da viele Frauen (natürlich auch manche Männer…) mit dieser Stelle am Schlüsselbein nicht klar kommen.

Das ästhetische Problem mag dumm klingen, aber die Narben, die dabei entstehen sind im Dekolleté einfach nicht schön anzusehen. Schwerwiegender ist dahingegen das Problem bei Menschen, die stark abmagern. Der Port steht dann stark hervor. Da kann ein BH-Halter schon mal blöd hängenbleiben und verdammt wehtun. Auch kann ein simpler Auto Gurt daran scheuern. Daher ging man in Hamburg dazu über, den Oberarm zu nehmen. Ich fand die Stelle super! Es lohnt sich also immer mal nachzufragen, welche Erfahrungen andere mit ihrem Port gemacht haben, wo dieser war, usw. Bekannt ist mir auch, dass manche Chirurgen den Port nur an der Stelle ihrer Wahl einsetzen. Aber auch hier lohnt das weitere Nachhaken. In Mainz ist eine Implantation am Oberarm zum Beispiel in der Interventionellen Radiologie und der Herz-Thorax Gefäßchirurgie möglich.

 

Was ich als sehr wichtig empfinde ist der richtige Umgang mit dem Port. Da kann der Patient sich nicht aus seiner Verantwortung entziehen, indem er sich darauf verlässt, dass Ärzte und Schwestern immer alles richtig machen. Der Klinikalltag ist stressig, alle haben wenig Zeit und hier und da wird man auch mal „betriebsblind“. Ein Port muss regelmäßig gespült werden, ob er nun benutzt wird oder nicht. Auch ist die Desinfektion der Haut wichtig, damit die Stelle sich nicht infiziert! Mal kurz drüber sprühen und direkt anstechen ist falsch! Das habe ich selbst immer wieder erlebt.

Der Chirurg, der mir meinen Port gelegt hat, hatte mich aufs dringlichste „geimpft“, dass ich solche „mal eben schnell“ Aktionen verhindere. Er musste wohl immer wieder infizierte Ports entfernen, und das wäre keine schöne Angelegenheit. Die Stelle sollte (übrigens wie auch beim Blut abnehmen!) eingesprüht werden, Minimum 10 Sekunden einwirken lassen, nochmal einsprühen, nochmal einwirken lassen. Und vorzugsweise sollte die Person, welche den Port ansticht, Handschuhe tragen und/oder Hände desinfizieren und nicht auf der Einstichstelle rumtatschen (erneute Kontamination). Das klingt alles sehr pingelig. Eigentlich bin ich nicht so ein penibler Mensch. Aber zu meiner „Port-Zeit“ war ich stark immunsupprimiert und dankbar für jede Nadel, die mich nicht zusätzlich gestochen hat. Daher hegte und pflegte ich meinen geliebten Port. Traurig war ich dann natürlich, als er mir bereits nach einem halben Jahr entfernt werden musste, um Platz für einen Hickman-Katheter zu machen. Das wäre dann auch leider der, wie ich finde, einzige Nachteil eines Ports. Große Volumen kann man darüber leider nicht schnell verabreichen. Ansonsten eine wahre Erleichterung im Patienten-Alltag, mit ausreichend Achtsamkeit sogar über Jahre hinweg ein treuer Begleiter. J

4 Kommentare zu “ Der Port, mein Freund und Helfer ”

  1. Hallo Lara,
    Ich habe meinen Port seit 2011 wegen der regelmäßigen Bluttransfusionen. 2006 -2011 wurden meine Venen unaufhörlich traktiert und vernarbten gnadenlos. Als die Blutentnahme für mich und die Ärzte nur noch eine schweißtreibende Angelegenheit war – und immer sauweh tat – setzte man mir einen Port. Ich liebe ihn! Und habe auch schon drüber geschrieben. Muss den Artikel – erschienauf Englisch – mal raussuchen und dazu setzen. Es gibt allerdings auch Ärzte und Schwestern, die haben auch beim Portanstechen Probleme…

  2. Hallo Lara und Ihr alle,
    auch bei mir geben die Adern nichts mehr her. Die Stechereien sind meistens erfolglos. Ich muß schon froh sein, wenn etwas Blut fürs Labor genommen werden kann. Deshalb habe ich mich – nach 7 Jahren Pause – Ende Januar dazu entschlossen, wieder einen Port implantieren zu lassen. Das wurde dann am 2.2. auch vollzogen, wobei der Chirurg erst mal Schwierigkeiten hatte, eine Vene zu finden.
    Eine Woche später schwollen Arm und Hand auf der Portseite an und begannen, immer heftiger zu schmerzen. Nach zwei Tagen war es nicht mehr auszuhalten und mein Mann fuhr mich nach Heidelberg in die Uniklinik. ich war so übel dran, dass mein Mann mich mit dem Rollstuhl befördern mußte. Als wir nach einigen Stationen dann endlich spätabends in der chirurgischen Ambulanz die Begutachtung durch einen Oberarzt erfuhren, wurde ich gleich dort behalten. Um 22 Uhr wurde ein zweimal faustdickes Hämatom herausoperiert, das den Plexus, das für den Arm zuständige Nervengeflecht, abgedrückt hatte. Als ich wieder aufwachte, hatte ich keine Schmerzen mehr, dafür waren Arm und Hand (zum Glück links) weitgehend lahm und angeschwollen.
    Es folgte eine Woche Klinikaufenthalt mit Wickeln des Arms und ersten vorsichtigen Übungen. Wie es zu dem Hämatom gekommen war, konnte oder wollte niemand so genau sagen. Jedenfalls musste es einen Zusammenhang mit der Portimplantation geben.
    Inzwischen habe ich einige Lymphdrainagen und Krankengymnastik bekommen, die jeweils sehr gut tun. Jedoch bleiben Arm und drei Finger der linken Hand taub, obwohl die Beweglichkeit schon wieder recht gut ist. So gehe ich zur Zeit einarmig durch die Welt und brauchte in vielen Dingen Unterstützung.
    Ich scheue mich davor, einen neuen Portversuch zu wagen, da ich vermute, dass es an meinen Adern liegt, die jeden Zugang verweigern. Bei einer hämatologischen Erkrankung ist jetzt guter Rat teuer, obwohl ich gerne einen Port hätte, da er alles vereinfacht. Demnächst will ich einen Gefäßspezialisten konsultieren.
    Der Chirurg, der mir den Port implantierte, ist übrigens ein sehr erfahrener, der im Jahr mehr als 700 Ports „macht“.

  3. Danke für euer Feedback.

    @bergit, es freut mich, dass du mit deinem Port auch so gut klar kommst, wie ich damals mit meinem 🙂
    Den Beitrag kannst du hier gerne mal verlinken.

    @christa,
    das hat mich seht mit Schrecken erfüllt zu lesen, was du schon wieder schlimmes durchmachen musstest. Das tut mir so leid!… Natürlich weiß man immer, dass jeder medizinische Eingriff mt Komplikationen verbunden ist, aber dein Fall ist ja wirklich furchbtar!…. Wie kann sowas passieren? Hat sich dazu mittlerweile mal jemand geäußert?
    Lag es am Eingriff, an den Medi´s? Gibts dazu Theorien?… Das sowas nicht mehr vorkommt!…

    Ich hoffe sehr, der Gefä´spezialist kann dir weiter helfen! Und vielleicht klappt es mit dem nächsten Port direkt viel besser!

  4. @Christa, hoffentlich ist alles abgeheilt und wieder in Ordnung, eine schreckliche Geschichte. Vielleicht ist der nächste Versuch erfolgreich, das wäre so wichtig.
    Weiter unten eine Kolumne zum Port, die ich im Jahr 2014 mal für den MDS-Beacon geschrieben habe. Verzeiht, dass ich den Text nicht übersetze.

    Mein Port auf Englisch, Kolumne für den MDS-Beacon, 2014

    My MDS: Needles and Pins
    When my older son was little, six or seven years old, our family doctor had to draw blood from him. Usually this is the task of the laboratory assistant, but our kind doctor explained: “Since it is the first time for him, I will do it, so that he will not be afraid of it in the future.” It worked. It did not hurt him at all, and I was thrilled that our family doctor had so much foresight and such a particularly good hand at drawing blood.
    Prior to my myelodysplastic syndromes (MDS) diagnosis, blood sampling for me was a walk in the park, even though my veins are not easily visible (you have to knock on my arms for them to show up). I know that there are people who are very nervous about blood draws and faint or even throw up during the procedure. I guess I’m lucky, because for me it never had been a big deal.
    This began to change after about two years of blood draws every four weeks, sometimes even more often depending on my transfusion interval. My veins had become very scarred because of the frequent blood draws. It was pretty tough for me each time I was poked. The fact that the nurses had to use thicker needles (the ones that are normally used for transfusions) to draw blood made things even worse – it really hurt!
    When I was scheduled for a blood draw at my hematologist’s office, I started to ask who was going to do the blood draw. I had found out that there are nurses who are really good at taking blood and others who are not. With the latter it really hurt – and I mean really hurt – as if knives were cutting in my arms.
    The rule at my hematologist’s office was that after two fruitless attempts the nurse would hand over “the problem case” to another nurse. There was one nurse who almost always succeeded despite my heavily scarred veins. So I always tried to get her for the procedure, but as you can imagine, I was not the only patient she had and of course I suffered a lot whenever she was on vacation.
    Because of my scarred veins, they used the smallest needles (the ones that are normally used for babies) for transfusions. As a consequence, the transfusion took much longer than usual or the needle even clogged once in a while. Around that time, I was really fed up with all that blood stuff and I always was in a bad mood when I had to go to the hematologist.
    After about two years following my diagnosis, my local hematologist referred me to hospital-based MDS clinicians. From that point on, I received my transfusions at the outpatient unit of that hospital.
    Unfortunately, the situation became even worse for me. My transfusion interval had dropped to every two weeks. In addition, young doctors in training were responsible for drawing blood and administering transfusions.
    They reacted differently when they failed to draw blood. Some of them apologized, some of them blamed me of having rolling veins (rolling veins do not exist!). Some of them were really frustrated so I had to cheer them up. Some tried their luck very cautiously, others poked very hard, so that I sometimes screamed and complained. I was able to predict from the angular position they held the needle whether they would succeed. They often asked me for help, because I was the only one who could tell where in my arms they might still be able to draw blood.
    It was teamwork; all of us were sweating and swearing. Usually there were about four to six attempts necessary to get some blood out of my arms. During that time, both my arms were blue and bandaged all the time, and you could always see the traces from previous attempts.
    It frequently happened that after five or six unsuccessful attempts by the young hematologists a senior physician had to get involved and give it another try.
    It was a difficult time. Every time I came to hospital to get transfused, the doctor in charge gave me a friendly smile, but I could also see the dread in his eyes.
    I was not the only patient with these problems. Sometimes some of us expressed our solidarity with each other with glances, when we saw our bruises or we conducted short discussions in the waiting area in a mixture of complaint and humor.
    I think I had been suffering for about two years, before I finally approached my MDS specialist and demanded a solution to the problem. He suggested that I receive a port. A port is a small medical appliance that is installed beneath the skin, usually in the upper chest, through which drugs can be injected, blood samples can be drawn, and transfusions can be administered.
    I immediately agreed even though the port had to be inserted via surgery and may be associated with certain side effects, such as infections and a risk for clogging. The fact that my arms would no longer have to be poked for every blood draw or transfusion and instead, everything could be managed through the port sounded like a perfect solution to my problem.
    I had the surgery the following week, and believe me, it was not a big deal. I was just feeling a little uncomfortable for two or three days because of postoperative pains.
    I very rapidly got used to the port under my skin. In fact, it hardly bothered me at all. My doctor suggested placing the port into the right side of my chest to avoid any problems with a seatbelt when driving a car. And I still can show my décolleté in public because the port is not visible at all. I think I can afford being vain, because I will be wearing the port for a long time.
    Ever since, blood draws and transfusions have been a walk in the park again. Well, I may be exaggerating, but only a little bit.
    In addition, I have not experienced any of the potential side effects associated with having a port.
    Whenever I meet other patients with bruises on their arms, I try to convince them to ask for a port. Unfortunately some of them are too frightened because it involves surgery. They even have declined it after their physician mentioned it to them. But trust me, it REALLY is a viable option.
    And finally, let me give you some numbers: I have calculated based on my increasing transfusion dependency that the nurses and physicians poked my poor little veins about 125 times, may be even more, between 2007 and 2011.
    I have been wearing my port now since December 2011 so I saved my veins approximately 60 pokes.
    Me and my veins are very grateful for that!

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