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Bergit Kuhle

BÄM !!! Voll auf die Neun !

Nur weil ich Blutkrebs habe, verschont mich das Schicksal ja nicht unbedingt mit weiteren Schicksalschlägen. Wäre schön und wäre auch gerecht, zumindest nach meinem Empfinden. Aber Fairness ist eine von Menschen ausgehandelte Kategorie, das Schicksal ist nicht fair. ES FINDET STATT. Verhandeln zwecklos. Und doch, ein Versuch ist es wert.

Einmal hat der Deal tatsächlich bei mir geklappt:  Vor Jahren saß ich meiner Frauenärztin gegenüber, die mit kritischem Blick meine Mammographie-Aufnahme prüfte und murmelte, da sei so eine kleine Stelle, die gefiele ihr nicht…. Ich solle mir keine Sorgen machen, eine nachfolgende Ultraschall-Untersuchung könne das abklären. Der Ultraschallraum war gerade besetzt. Also verbrachte ich ungefähr 15 Minuten lang mir vorzustellen, wie es denn wäre, nun auch noch Brustkrebs zu haben? Weil mir angesichts dieser Aussicht das Herz in die Hose rutschte, sagte ich mir einfach immer wieder, „bleib cool, du kannst überhaupt  keinen Brustkrebs haben, du hast ja schon Blutkrebs. Das Schicksal wird dir nicht zweimal Krebs aufbürden.“ Und wirklich, Monsieur Schicksal entließ mich gnädig aus dem kurzen Würgegriff. Mein Dank war voller Demut, wohl wissend, dass mich die Faust jeder Zeit wieder treffen kann.

Und Bäm !…..jetzt hat sie mich voll erwischt. Dieses Mal hat der Deal nicht funktioniert. Dieses Mal gilt der Schicksalsschlag auch einem engen Angehörigen und nicht mir persönlich. Da habe ich erst recht keinen Anspruch auf einen Deal. Obwohl ich stark betroffen bin. Nee, Monsieur Schicksal  schüttelt abweisend den Kopf und raunt mir zu:

:DSC_6254 „Dieses Mal kann ich nichts für dich tun! Ich war schon einmal großzügig zu dir.

Jetzt musst du da eben durch. Andere schaffen das auch.“

Bitten, Argumentieren oder Schreien, all das hilft null. In aller Seelenruhe dreht sich Monsieur Schicksal von mir weg, lässt mich mit dem sitzen, was er mir angetan hat und nimmt sich den nächsten Kandidaten vor.

Was für ein mieser Job.

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