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28. April 2014 – die Spende (Fortsetzung)

Es war der 28. April. Ich war so verdammt aufgeregt, hatte aber auch so verdammt viel Angst vor dem was folgen könnte. Ich bin Vater von zwei Kindern und hatte wirklich Bedenken, ob und wie ich das alles überstehen würde. Meine Frau, eine gelernte Intensivkrankenschwester, sprach vorher etliche Male mit mir über die Spende und riet mir anschießend meinem Herzen zu folgen. Und das, lieber Empfänger, hat Dir wohl letztendlich das Leben gerettet. Ohne die Gespräche mit meiner Frau hätte ich mich vielleicht nicht für eine Spende entschieden. Ohne ihr Verständnis und ohne ihre passenden Worte hätte ich mich vielleicht doch dagegen entschieden. Es mag nicht plausibel klingen, aber ich (und ich kann da nur von mir reden), hatte Angst das ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen kann. Ich hatte Angst, das mir etwas passiert. Und diese Angst hat sie mir zwar nicht genommen, aber geholfen damit umzugehen und Dir vielleicht ein neues Leben zu ermöglichen.


Die Spende an sich lief recht normal ab. Etliche Löcher im Beckenkamm durch zwei kleine Schnitte kurz über den Pobacken, 1,7 Liter entnommen, danach auf einem Sandsack gelagert um Einblutungen in das Gewebe zu minimieren. Ehrlich gesagt: das war echt ätzend. Der behandelnde Arzt meinte vor der Spende das ich mich fühlen würde als hätte ich Rückenschmerzen. Irgendwie hatte er ja recht, aber das Gefühl war eher „Dir tritt jemand ständig ins Kreuz“. Das traf es wohl sehr gut. Die ersten paar Tage habe ich Dich, die Ärzte, meine Frau und sogar mich verteufelt… bis mir klar wurde was ich getan hatte.
Nach kurzer Zeit erhielt ich Informationen über Deinen Gesundheitszustand und konnte mich anonymisiert mit Dir freuen. Du warst auf dem Weg der Besserung, hattest das Krankenhaus bereits verlassen und konntest Dein Leben wieder neu beginnen. Das hat mich wirklich gefreut – und es freut mich heute noch.

Ich habe Dir nie geschrieben – ich wollte das erste Jahr abwarten. Abwarten, das Du Dich erholen kannst, abwarten das Du wirklich gesund wirst. Aber jetzt habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich musste etwas dazu schreiben, auch wenn es lang (und vielleicht langweilig) geworden ist. Und ich werde auch Dir schreiben. Persönlich. Und ich hoffe, das wir uns irgendwann mal kennen lernen können und Du Deinen eigentlichen Lebensretter siehst. Nämlich meine Frau.

Tobi

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